Sonntag 25. Mai

1.
Eine Fortsetzungsgeschichte (3): Die Frauen namentlich waren herrlich. Ihre Kleidung war ebenso entzückend wie praktisch, ebenso schön wie lockend, ebenso anständig wie reizend. Das Sittliche lockte! Die jungen Männer spazierten abends hinter diesem Lockenden einher, langsam, wie träumend, ohne in hastige, gierige Bewegungen zu verfallen. Die Frauen gingen in einer Art Hose einher, einer meist weissen und hellblauen Spitzenhose, die gegen oben in eine engschliessende Taille verlief. Die Schuhe waren farbig, von feinstem Leder. Entzückend war, wie sich die Schuhe den Füssen und dann dem Bein anschmiegten, und wie das Bein es fühlte, dass es von etwas Kostbarem umgeben war, und wie die Männer es fühlten, wie das Bein es fühlte!

2.

Frau küsst Hund

Eine besonders schlimme Art des Neides ist ja bekanntlich die des Sozialneides. Bürger, Antideutsche und Pfaffen sind sich darin einig, dass diese Art des Neides ohne Umweg zu Pogrom und Massenmord führen muss. Zugegeben: Man darf den Hass auf die Reichen in St. Moritz, an der Côte d‘ Azur und auf RTL Exklusiv nicht mit dem Hass auf die Zustände verwechseln. Doch darin immer gleich eine Tendenz ins Toschlagen, ins Völkische oder in den «regressiven Antikapitalismus» – welche wunderbare Wortschöpfung der organisierten politischen Verblödung – zu sehen, ist im Mindesten so falsch wie im Sozialneid a priori revolutionäre Energie zu vermuten. Allerdings, und das sei an dieser Stelle mal deutlich festgehalten, ist, in Anbetracht der eigenen permanenten Verdingung im Produktionsprozess, die Vorstellung doch sehr erquicklich, man würde an einem Banquet in St. Moritz mit einem Trupp von argen Sozialneidern auffahren, den anwesenden Damen und Herren ihr Buffet wegspeisen und ihr Mobiliar dergestalt zertrümmern, dass sie nachhaltig eingeschüchtert sind.

3.
Ein schlechter Rapper sagt eine Wahrheit über den allseits geschätzten, geehrten und gern gesehenen Kulla. Dieser nennt sein Weblog «classless», meint damit aber nicht etwa die Tatsache, dass die klassenlose Gesellschaft eine angenehme Sache wäre, sondern, man höre und staune: «Ich bin klassenlos, weder im proletarischen, noch im bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Film gebunden, so gut ich sie jeweils kenne. Beim Trampen kann ich mit den Fahrenden beinahe beliebig Klassenverbrüderung oder Klassenkampf spielen.» Solange er mit «Fahrenden» Klassenkampf spielt, macht er nichts dümmeres, könnte man nun erleichtert ausrufen. Könnte man. Muss man auch!

4.
Hier fehlt(!) politischer Inhalt.
Darum bloss eine Lüge: Lokaljournalismus hat Niveau und geht in diesem Falle weit über das Heer der staatlichen Pädagogen des Antifaschismus hinaus.


1 Antwort auf “Sonntag 25. Mai”


  1. 1 Debatte. Recycling. Wertkritik. Bonzen. // teilnehmende beobachtungen Pingback am 30. Oktober 2008 um 2:58 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.